Varanasi

19.10.2008:

Mein neuer Job: Geldtransporteur

 

Am Flughafen Delhi sammelt uns jemand von Rotel Tours ein (Ja, das sind die mit den roten Bussen!!!). Wir bekommen jeder von Rotel einen Tagetes-Kranz und entwickeln uns so schnell zu DER Touristen-Attraktion am Flughafen. Ich weiß nicht, wie viele Inder zusammen mit uns fotografiert werden wollten! Da die Reiseleiterin, die uns ab Varanasi im Rotel-Bus begleitet, fast kein Bargeld mehr hat, bekomme ich vom Rotel-Angestellten in Delhi einen “Geld-Koffer”, auch als “Türken-Koffer” bekannt, in die Hand gedrückt. Zu siebt fliegen wir weiter nach Varanasi (dem früheren Benares).

 

In Varanasi angekommen, sehe ich zum ersten Mal mein Luxus-Hotel für die nächsten 2 Wochen: Ein Expeditionsbus mit 34 Sitzen und als Anhänger unser Rotel, das Hotel auf Rädern. Auf drei Etagen gibt es dort jeweils Kabinen im Format 190 x 65 x 65 cm – Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Ist also so eng, wie befürchtet. Lästig wird es, wenn es draußen so richtig heiß ist. Ich liege oben, da kommt dann noch dazu, dass jedes Mal ein Erdbeben ausgelöst wird, wenn jemand aus seiner Kabine herausrobbt. Da das Durchschnittsalter irgendwo jenseits der 60 liegt, passiert das leider sehr, sehr oft! Übernachtet wird immer im Hof bzw. Garten eines Hotels. Meist übernachten wir zweimal am selben Platz, das erste Mal gibt es Essen im Hotel, das zweite Mal Rotel-Küche.

 

Gegen 21 Uhr kommen die anderen der Gruppe an, die bereits eine Woche in Nepal unterwegs waren; insgesamt sind wir 23 Leute. Abends laden wir uns zu fünft zu einer mohammedanischen Hochzeitsfeier ein- alle sind fröhlich, vom Brautpaar mal abgesehen- wundert aber auch nicht, wenn man hört, was die beiden bereits alles an dem Tag erledigen mussten. Außerdem haben sich die beiden heute zum ersten Mal gesehen!

 

20.10.2008:

Am heiligen Ganges

 

Früh am Morgen geht es zum Ganges mit seinen Ghats, also den Stellen, wo die Hindus ihre rituellen Waschungen vornehmen. Hier gibt es aber auch mehrere Verbrennungsstellen, wo sich ein echter Hindu (der es sich leisten kann) verbrennen lässt und seine Asche dann den Fluss hinunter fließt. Unter bestimmten Bedingungen, etwa bei schwangeren Frauen, Kindern oder heiligen Männern, erfolgt keine Verbrennung, da wird der ganze Körper auf seine vorläufig letzte Reise geschickt. Kann also immer passieren, dass eine Leiche am Boot vorbei schwimmt.

 

Das erste Stück zum Fluss können wir noch mit unserem Bus fahren, den Rest gehen wir zu Fuß, kein Durchkommen für den Bus (und für uns zu Fuß auch kaum). Kaum steigen wir aus, sind wir umzingelt von Bettlern, Kindern, Rikscha-Fahrern, Verkäufern, heiligen Männern. Durch meinen Nepal-Besuch wusste ich ja ungefähr, was mich erwartet, für manch einen der anderen war diese Erfahrung aber sicherlich grenzwertig. Und das gleich nach der Ankunft in Indien! Varanasi ist eben echtes Hardcore-Indien.

 

Am Fluss angekommen, chartern wir zwei Ruderboote und fahren den Ganges ein Stück flussaufwärts. Der Fluss bringt es derzeit auf rund 400 Meter Breite, während des Monsuns steigt der Wasserspiegel schon mal um 5 bis 10 Meter, der Fluss erreicht dann eine Breite von bis zu 10 km. Diese Fahrt durch den Morgennebel war traumhaft, auch wenn der Morgennebel eigentlich Smog war…

 

Zu fünft (Peter mit "seinen" vier Lehrerinnen) gehen wir dann noch den Fluss entlang, finden ein kleines Gasthaus mit feiner indischer Küche. Für ein Vegetable Curry, ein Banana-Lassi und eine Kanne Ingwer-Tee bezahle ich 1,50 Euro; ein normaler Preis abseits der Touristen-Zentren, wie sich herausstellen sollte.

 

Am Abend besuchen wir noch ein benachbartes Einkaufszentrum amerikanischen Stils. Endlich keine Preisverhandlungen mehr. Am Nachmittag hatte ich ein Schild gesehen “Silk factory”, da wollen die anderen auch hin. Problem: Der Laden hat zu. In Indien kein echtes Problem. Eine Minute später schließt der Chef auf, 3 Minuten später sind zwei Angestellte da. Der benachbarte Klamottenladen macht auch gleich noch für uns auf. Das ist eben eine echte Dienstleistungsgesellschaft!